heute erscheint die neue ausgabe des freizeitfuszballmagazin bolzen inclusive einem interview mit uns….

das interview ist leider ein wenig zusammengekürzt, darum gibts das ganze hier nochmal in voller länge:
Die Mondlandungs- und Maueröffnungsfrage muss bei Euch natürlich lauten: Wo warst Du, als Rijkaard spuckte? Wie hast Du den doppelten Platzverweis während der WM 1990 erlebt?
Um ehrlich zu sein, ich war 7 Jahre alt und fand Fußball noch schrecklich uninteressant, allerdings kann ich mir heute die Szene bei youtube nicht oft genug anschauen. Dass ich den Platzverweis für Völler durchaus für gerechtfertig halte, erklärt sich von selbst.
In der Folge kam es sogar zu einzelnen Tumulten an den Grenzübergängen. Ein deutsch-holländisches Phänomen? [“Fußball ist Krieg” hat ja z.B. auch der niederländische Nationaltrainer Rinus Michels vor dem WM-Finale 1974 behauptet.]
Natürlich ist das deutsch-holländische Verhältnis ein besonderes, nicht zuletzt auch aufgrund des deutschen Überfalls auf die Niederlande 1940. Prinzipiell lehnen wir –auch beim fußball- jegliche form von Nationalismus und (Lokal-)Patriotismus ab, weswegen wir auch auf die Verwendung der niederländischen Fahne verzichten. Eine gewisse Sympathie für die Elftal in Spielen gegen Deutschland beruht daher mehr auf einer Ablehnung Deutschlands, welches aufgrund seiner Vergangenheit, deren „Bewältigung“ und Aktualität natürlich eine Sonderstellung unter den Nationalstaaten einnimmt. Zuletzt, jedoch nicht zuerst wurde während der WM im vergangenen Sommer allzu deutlich wie diese deutsche Vergangenheitsbewältigung in Form einer Verwertung der NS-Geschichte in der Umdeutung in eine globale Verantwortung (Legitimation von Kriegseinsätzen) bis hin zu ungeniertem Geschichtsrevisionismus (Täter-Opfer-Umkehr) betrieben wird, um die Konstruktion eines kollektiven deutschen Subjekts zu forcieren und deutschen nationalstolz vollends zu enttabuisieren.
Auch wenn Fußball natürlich generell auf Wettbewerb, Rivalität und somit oft auch auf Feindseligkeiten fußt, stehen wir in bezug auf Freizeitfußball der Aussage Rinus Michels ablehnend gegenüber, weswegen wir bei unseren Turnieren wert darauf legen, dass es nicht allzu hart zur Sache geht und auf den Einsatz von SchiedsrichterInnen verzichten. Damit haben wir bisher durchweg positive Erfahrungen gemacht, sodass immer der Spaß am Spiel und eben nicht Erfolg und Leistung im Vordergrund standen.
Wie reagieren denn Eure Gegner auf Eure ungewöhnliche Heldenverehrung? (Und stammt der Respekt vor Rijkaard lediglich aus dieser „anti-deutschen“ Spuck-Aktion oder ist es auch Hochachtung vor seinen großartigen Erfolgen als Spieler und Trainer. Kannst Du gerne mal aufzählen!]
Da wir anfangs hauptsächlich bei Dorfmeisterschaften und ähnlichen Turnieren antraten, war die Namensgebung natürlich ausschließlich auf jene „antideutsche“ Provokation ausgelegt und rief natürlich auch regelmäßig die gewünschten Reflexe hervor. Die Punkband Dackelblut brachte unser anliegen in ihrem Song „Edwin van der Sar“ ziemlich genau auf den punkt: „eine Naturkatastrophe nur für Deutschland…oder 0-8 gegen Holland“. Die ohne frage herausragenden fußballerischen Leistungen Rijkaards waren bzw. sind da erst einmal nebensächlich.
Früher war organisierter Freizeitfußball immer etwas linksalternativ angehaucht, gegen den DFB. Heute hat sich das längst geändert. Seid Ihr so etwas wie die letzte Bastion?
Sicherlich nicht die letzte Bastion. Wir haben in den letzten Jahren viele linke Teams kennengelernt, die Turniere veranstalten, Fanzines herausbringen und sich natürlich nicht zuletzt politisch positionieren bzw. aktiv sind. Um nur zwei davon zu nennen: gießen asozial, die in diesem Jahr zum 9. mal das antinationale Fußballturnier auf den Giessener Lahnwiesen organisieren und mittlerweile auch eine eigene bunte Liga auf die Beine gestellt haben und der FFA Darmstadt, zu dem seit längerem ein freundschaftlicher Kontakt besteht und der in diesem Jahr sein 100jähriges bestehen mit einem Turnier feiern wird.
Ihr habt im letzten Jahr bei der antirassistischen Fußball-WM in Italien mitgespielt. Wie ist es gelaufen? (Kurze sportliche Bilanz & dann aber szenische Beschreibung, was man sich unter dem Wettbewerb vorzustellen hat, wer ansonsten mitgemacht hat!)
Sportlich war für uns wie erwartet nicht allzu viel zu holen, Bier bei 30 grad im schatten tat da natürlich sein übriges, sodass für uns nach der Gruppenphase Schluss war. Jedoch haben wir eine ganze reihe Freundschaftskicks gegen Teams spielen dürfen, die das gleiche Schicksal ereilt hatte. die Mondiali Antirazzisti ist in erster Linie durch ein sehr heterogenes Teilnehmerinnenfeld geprägt, das aus Ultra-/Fan-Gruppierungen, semiprofessionelle bis dilletantische Freizeitteams und politische Gruppen besteht, welche alle eine antirassistische Einstellung vereint. In wieweit diese für die einzelnen der knapp 200 Teams dabei im Vordergrund steht, variiert natürlich. Alles in allem bietet das Turnier aber eine hervorragende Plattform um eine Basis für antirassistische/antifaschistische Arbeit im und außerhalb des Stadion zu bilden und bereits bestehende Projekte zu koordinieren und zu vernetzen und nicht zuletzt jede menge Spaß und Feierei.
Mittlerweile haben Völler und Rijkaard ihren Streit längst beigelegt. Wäre es nicht an der Zeit, versöhnlicher mit der Geschichte umzugehen? [Evtl. kannst Du hier was zu dem gemeinsamen Werbespot sagen – und was Du von dem Friede-Freude-Eierkuchen hältst? Rijkaard wird ja auch nachgesagt, dass er das Spucken ernsthaft bereut hat.]
Aus gut unterrichteten quellen wissen wir, dass sich beim gemeinsamen Frühstück in Völlers Oranjesaft ähnliche Substanzen wie Jahre zuvor in seiner nackenmatte verirrt haben sollen.
Ihr produziert längst Fanartikel mit Eurem Logo. Wie verkaufen sich die T-Shirts und Schals in der pfälzischen Provinz?
Nachdem anfangs nur dem eigenen (teils nicht gerade fußballbegeisterten) BekanntInnenkreis die shirts angedreht wurden, kam es im Vorfeld der WM und des damit verbundenen nationalen Taumels zu einem kleinen Boom und es bestellten plötzlich fremde Leute von überall her unser Merchandise, was dann leider auch sehr schnell ausverkauft war. Mittlerweile sind an die 130 Textilien verkauft und die Tage trifft die 3. Auflage der shirts bei uns ein.
Euer Spielplan weist Partien gegen „Kommando van Basten“, „Kommando Rainer Schütterle“ und die „Koeman-Crew“ aus. Wer hatte die bessere/härtere Jugend – die oder Ihr?
Unschwer zu erraten, dürfte sein, dass das „Kommando van Basten“ und die „Koeman Crew“ befreundete Teams sind und praktisch ein teil der Rijkaard Jugend oder auch umgekehrt. Das „Kommando Rainer Schütterle“ hingegen ist so etwas wie unser Sparringspartner und Lieblings„gegner“ bei den meisten Turnieren. die Bilanz weist uns natürlich als das eindeutig versiertere Team aus, außerdem gelang es bereits deren Namenspatron bei einem spiel der KSC-Allstars als Rijkaard-Jugend-Fan zu outen und hinter unserem Transparent abzulichten.
bolzen liegt für umme in kneipen und läden aus…wer eine ausgabe haben möchte und nirgends fündig wird, kann sich bei uns melden…
ein dankeschön für das interview geht an thorsten von bolzen.





